CATALOG OF SITUATIONS – A project on Transgressive Art Practice and Aesthetic Experience

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mönche und badende

June 19, 2008 · Leave a Comment

guten morgen,
ich hab gerade ein sehr schönes motto gelesen, das von dem schweizer germanisten emil staiger stammt:

“begreifen, was uns ergreift”

das ist eine sehr schöne formel für die lectures. und es spielt mit der bewegung, dem griff, dem zupacken. begreifen was uns ergreift.

Leider ist emil staiger nicht so ein tolles vorbild. 1908 geboren, hielt Staiger 1966 in Zürich eine sehr polemische Rede, die den sogenannten schweizer literaturstreit zur Folge hatte. Max Frisch warf ihm zurecht vor, die Rede von der entarteten Kunst wieder salonfähig gemacht zu haben. Staiger lehnte in der Rede alles ab, was ihm irgendwie krank, verrückt oder extrem erschien.

Ich war gestern wieder in der alten Nationalgallerie und habe neben CDF auch zwei sehr interessante Bilder gesehen von einem seiner Zeitgenossen, Carl Blechen. Die Bilder zeigen die gleiche Stelle in einem Park im Abstand von 5 Jahren. Einmal (2 Mönche) ohne See und einmal (2 Badende) mit See. Leider sind die Bilddateien so schlecht, dass du kaum was erkennen wirst.
Neben dem Mytserium des Sees – solche Fantasieseen waren in der Romantik ja nichts seltenes – ist viel interessanter, dass die beiden nackten Mädels sich erschrocken zum Maler umdrehen. Ich habe etwas vergleichbares nirgendwo in der Malerei des 19. Jahrhunderts gesehen, vielleicht bin ich aber nur nicht gut informiert.
Jedenfalls wirkt das Bild so, als würden wir, bzw. der Maler die Szene stören. Dagegen die beiden Mönche in dem fünf Jahre älteren Gemälde. Sie scheinen keinerlei Notiz von uns zu nehmen. Liegt das daran, dass die Mönche nichts zu befürchten haben? Im Gegensatz zu den nackten Badenden?

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