Diese Notizen habe ich nach einem Museumsbesuch in mein Tagebuch geschrieben. Sie sind eine mehr oder weniger spontane Reaktion und die inkonsequente Kleinschreibung und chaotische interpunktion entsprechen der seriosität der argumentationsführung. Sie handeln von der veränderten begenung mit kunstwerken im museum der gegenwart und gehören daher hierher.
Das Kunstwerk und ich.
Eine Anfeindung…
- alle haben audiotouren im kopfhörer auf. sie stehen zu zweit vor den bildern, und lauschen getrennt den gleichen texten. einsam vereint. die andere variante: große gruppen, alle mit kopfhörern und ein führer, der leise in sein mikro spricht. das ist antürlich genial, was die museumsatmosphäre betrifft, alles geht leise und geordnet von statten, die leute laufen wie ferngesteuern durch ihre einflüsterungen durch die ausstellung. Ich habe das gefühl, der einzige kopfhörerlose zu sein. um mich nur menschen, die irgendwas anderes zu hören, vielleicht zu sehen scheinen. aber ich habe das gefühl, dass diese kopfhörerstimmen etwas ganz wesentliches in der begegnung mit dem bild zerstören. bildende kunst ist doch immer das gegenübertreten in der einsamkeit, ich und das bild, dass einerseits verschlossen und stumm, distanziert da hängt, und andererseits mit mir reden will und das auch tut. man muss schon wirklich mit dem bild reden wollen, also sich hinstellen und es ansprechen. dann kommt im idealfall was zurück, meistens auch nichts oder fast nichts. diese sprachlosigkeit und stumme präsenz ist das eigentliche mysterium der malerei. der künstler sagt etwas, aber er ist abwesend, ganz entrückt. das bild ist immer sehr arrogant, wie eine angebetete frau, die aber nicht mit dem werbenden spricht, ihm nur blicke über die schulter zusendet. Die einflüsternde Begleitung stellt sich hinter mich, berührt meine Schulter und wie ein Blindenführer oder eine Mutter stellt es mich vor das Objekt und sagt mir das, was das Bild mir jezt nicht mehr sagt. Dadurch wird das bilderleben, mein Blick nach vorne, frontale Position, zu einem surround-erlebnis. das bild spricht gewissermaßen um die ecke, in mein ohr hinein. die deutung ist im raum um mich, das bild vor mir. es wird atmosphäre und dabei wird der blick abgelenkt, umgelenkt. gleichzeitig ist es natürlich eine konzentration, da der kopfhörer mich vom raum abschirmt und mich fokussiert auf das bild. man könnte also genauso gut sagen, durch den audioguide, verliert das bild seine atmosphäre, sein spiel und seine existenz im raum. Durch den audioguide wird das Museum zum multiplex, zum audiovisuellen erlebnis, zum film. Meine frustration, immer wieder, ist der moment dieses alleine vor dem bild stehen und auf antwort warten. sich bemühen, was sagt mir das, sagt mir das was, verstehe ich es nicht. Dieses mühsame konstruieren von bedeutung im hirn, was ein herauslocken der sprache aus dem bild ist, ein ziehen und locken. Bilder sind arrogante idioten, unfähige und unbrauchbare gefährten, überhebliche oberflächen… ende