CATALOG OF SITUATIONS – A project on Transgressive Art Practice and Aesthetic Experience

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Andere Beispiele für “Zeigen/Nicht Zeigen” – die Atombombe

July 31, 2008 · Leave a Comment

Inwiefern „L’Intruse“ hier herein passt, ist mir noch nicht ganz klar. Zum einen kann das Stück als ein Modell für Lecture-Performances überhaupt dienen: etwas nicht anwesendes wird evoziert und es wird mit seiner Präsenz gespielt. Darüberhinaus müssen wir aber noch überlegen, inwiefern das Stück in seiner sehr speziellen symbolistischen Tradition hier herein passt. Es geht bei „L’Intruse“ eher um ein Phänomen wie religiöse Kunst, das Zeigen des Transzendenten, bzw. um Ikonoklasmus und Ikonophobie – was sicherlich in unser Thema hineingehört, aber ein sehr weites anthropologisches und kulturgeschichtliches Feld öffnet.

Die Atombombe

Neben dem Transzendenten, das klassischerweise die ästhetische Diskussion um Zeigen und Nicht-Zeigen auslöst, gibt es auch technische Phänomene, die schwer oder gar nicht bildlich zu fassen sind oder gerade in ihrer Nichtsichtbarkeit expressives Potential bergen. Ein Beispiel wäre die Atombombe, bzw. atomare Strahlung im Film. Die Bombe hat im Atompilz ihr bekanntestes visuelles Symbol gefunden, aber der eigentlich Atomtod hat mit dem Atompilz nur indirekt zu tun. Was Opfer als erstes sehen, ist ein Blitz, der so hell ist, dass er schon entwickeltes Fotomaterial ein weiteres Mal belichtet, also sich in die Dispositive und in das visuelle Gedächtnis einbrennt. Der Atomtod beginnt gewissermaßen mit einem Aufblitzen, das gleichzeitig ein Blenden ist. Einen kurzen Moment lang wird die Erde erleuchtet und danach beginnt ein langsames, unsichtbares und schleichendes Sterben. Das Grauen der Atombombe besteht ja eben in dieser „Unfassbarkeit“, Unsichtbarkeit und Grenzenlosigkeit der Strahlung und ist darin sowohl der Pest, als eben auch der Macht Gottes vergleichbar.

Wenn wir das mit einer Kampfszene im klassischen Sinne vergleichen, so zeigt sich der Angriff der Strahlung nur auf dem Gesicht, am Körper des Betroffenen. Das Opfer wird dann stellvertretend eingesetzt, gewissermaßen als Spiegel, in dem sich das Ergebnis des Angriffs zeigt. Das Ergebnis wiederum sehen wir als Ausdruck des Wirkens des Angreifers, und damit seiner Existenz.

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