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ikonoklasmus – zu LP: erschauern/begreifen

Kaiser Leo III. (717–741) war durch seine syrische Herkunft möglicherweise von orientalischen Vorstellungen beeinflusst, möglich ist auch, dass Leo der Meinung war, dass es unmöglich sei, das „göttliche Wesen“ in Bildern einzufangen. 726 ließ er, nachdem ein furchtbares Seebeben in der Ägäis gewütet hatte (durch den Ausbruch des Santorin wurde der Himmel mehrere Tage verdunkelt), in einem demonstrativen Akt die große goldene Christusikone am Chalke-Tor seines Kaiserpalastes abnehmen, was angeblich zu einem ersten Aufruhr in der Bevölkerung führte.

Da haben wir ja genau die verbindung zwischen der lecture peformance und deinem passionsspiel, äh osterstück. die erfahrung der dunkelheit steht am anfang der bilderskepsis-so kann man das lesen, auch wenn es historisch zweifelhaft wäre. was würde das bedeuten? durch die dunkelheit zur helligkeit ohne bilder. bei marcus steinweg heißt es sehr schön:

“Jede Entscheidung muss, um Entscheidung zu sein, durch die Dunkelkammer einer solchen Erfahrung.”

Er meint die Dunkelkammer der “totalen Orientierungslosigkeit des Subjekts”.

“Plötzlich befinde ich mich in dem, was man die Wüste der Freiheit nennen könnte, mache ich die Erfahrung einer Freiheit, die Erfahrung gültiger Orientierungsdlosigkeit.”

Beim zweiten Konzil, 787, wurde die Bilderverehrung wieder erlaubt. Man begründete dies mit der Lehre der Inkarnation, wie Johannes von Damaskus sie formuliert hatte: Weil Gott in Jesus Christus Fleisch wurde, eine konkrete, körperliche, menschliche Gestalt annahm, ist eine körperliche Darstellung möglich. Die Heiligen verkörpern je auf ihre Weise den Heiligen Geist. Christus und die Heiligen können nun bildlich dargestellt werden – im Gegensatz zum zweiten Gebot, das vor der Inkarnation von Jesus Christus galt.

Das meinte ich mit dem Menschen oder Jesus als Abbild und Fleischwerdung Gottes. Gott selbst malt/schafft ein Bild, nämlich Jesus, und dieses darf widerum reproduziert werden. Aber nur dieses! Deswegen ist das Acheiropoeiton, alos Jesus oder die Ikone von König Abgar, so wichtig.

Alle Ikonen sind demnach Abbildungen zweiter Ordnung. Bilder von Bildern.

Ich denke, dass dieser Gedanke im 15. Jahrhundert, also am Beginn der Neuzeit, ausgedehnt wird auf den Menschen und das menschliche Abbild allgemein. Demnach müstte jede Götterdarstellung (inklusive Jesus) eine Darstellung von Menschen sein, also Jesus oder Gott ALS MENSCH. Ich erinnere mich, dass die Frage auch bei der zeitgenössischen Kritik von Michelangelos Kirchenbildern eine Rolle spielt, weiß aber nicht mehr in wie fern.

Jan van Eyck: DER SCHIELENDE JESUS

um 1440

Der Mystiker Nicolaus Cusanus (oder Nikolaus von Kues) lebte zu Beginn des 15. Jahrhunderts, er war christlicher Gelehrter und Kardinal. In dem Text “De visione dei” denkt er 1453 über die Gottesschau nach:

“(…) dann bringst Du mich jedoch dahin, zu sehen, dass nicht der Dich Betrachtende Dir die Form gibt, sondern in Dir sich selbst schaut (…). Was er in jenem Spiegel der Ewigkeit sieht, ist nicht Darstellung, sondern die Wahrheit, deren Darstellung er, der Sehende, selbst ist. Also ist die Darstellung in Dir, mein Gott, die Wahrheit, und das Urbild von allem und allem einzelnen, das ist oder sein kann. (…) Herr, Erleuchter der Herzen, mein Angesicht ist ein wahres Angesicht, weil Du, der Du die Wahrheit bist, es mir gegeben hast. Und es ist ein Abbild, weil es nicht die Wahrheit selbst ist, sondern ein Abbild der absoluten Wahrheit. Ich schließe also in meinem Begriff die Wahrheit und das Abbild meines Gesichtes ein und sehe, dass in ihr das Abbild mit der Wahrheit des Gesichtes in der Weise zusammenfallen, dass es insoweit wahr ist, als es Abbild ist”

siehe:

http://encyclopediaworldart.wordpress.com/tag/nicolaus-cusanus/

mystischer strabismus

Dies ist der Begriff den ich im Katalog über russische Ikonen gelesen habe.

Cfr. Cusanus und van Eyck.

nur eine Bemerkung beiseite…

Zeigen / Nicht Zeigen IV: Der Betrachter schaut sich selbst im Abbild Gottes

Der Mystiker Nicolaus Cusanus (oder Nikolaus von Kues) lebte zu Beginn des 15. Jahrhunderts, er war christlicher Gelehrter und Kardinal. In dem Text “De visione dei” denkt er 1453 über die Gottesschau nach:

“(…) dann bringst Du mich jedoch dahin, zu sehen, dass nicht der Dich Betrachtende Dir die Form gibt, sondern in Dir sich selbst schaut (…). Was er in jenem Spiegel der Ewigkeit sieht, ist nicht Darstellung, sondern die Wahrheit, deren Darstellung er, der Sehende, selbst ist. Also ist die Darstellung in Dir, mein Gott, die Wahrheit, und das Urbild von allem und allem einzelnen, das ist oder sein kann. (…) Herr, Erleuchter der Herzen, mein Angesicht ist ein wahres Angesicht, weil Du, der Du die Wahrheit bist, es mir gegeben hast. Und es ist ein Abbild, weil es nicht die Wahrheit selbst ist, sondern ein Abbild der absoluten Wahrheit. Ich schließe also in meinem Begriff die Wahrheit und das Abbild meines Gesichtes ein und sehe, dass in ihr das Abbild mit der Wahrheit des Gesichtes in der Weise zusammenfallen, dass es insoweit wahr ist, als es Abbild ist”

Der ganze Text auf englisch und auf latein. Hier die Quelle, über die ich auf das zitat gestoßen bin.

Ein weiterer Text von Nikolaus von Kues: Das Gespräch über den verborgenen Gott.